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Der Brennende Berg

Naturschauspiel zwischen Dudweiler und Sulzbach, das schon den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe faszinierte


Im Norden der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken findet sich im Sulzbachtal zwischen dem Stadtbezirk Dudweiler und der angrenzenden Gemeinde Sulzbach ein eindrucksvolles Naturschauspiel, das schon den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe fasziniert hatte: der Brennende Berg.
Im Innern des Brennendes Berges befindet sich ein in Brand geratenes Kohleflöz, das seit mehr als 200 Jahren still vor sich hin kokelt, und dessen Rauchschwaden aus den Bergspalten austreten. Wenn man an eine Bergspalte heran tritt und die Hand in den austretenden Dampf hält, kann man sich durchaus die Finger verbrennen. Die Intensität ist allerdings heute wesentlich geringer als noch vor einigen Jahrzehnten. Damals, so wird berichtet, brachten Kinder bei Schulausflügen Eier mit, um sie in dem heißen Qualm zu sieden.

Naherholungsgebiet Brennender Berg

Der Brennende Berg ist der "Brennpunkt" eines Naherholungsgebietes, das im Rahmen des Projekts Urban II von der Europäischen Union (EU) gefördert wird. Im Rahmen erster Sanierungsarbeiten, die im Juli 2002 begonnen und im Januar 2003 abgeschlossen wurden, wurde die Zugänglichkeit zu dieser Sehenswürdigkeit deutlich verbessert.
Die ehemals verschlammten Wege sind begehbar, keine Pfütze hindert den Literatur- und Naturfreund mehr, ganz nahe an jenen Felsspalt heranzutreten, aus dem Goethe vor über 200 Jahren ein "schwefelartiger Geruch" entgegen wehte ... "Früher war hier alles voller Schlamm", erklärte Projektleiter Martin Derow auf dem Platz vor dem Denkmal, das an den Besuch Goethes erinnert. Denn der Boden, so Derow, bildete hier eine Art Kessel, in dem sich das Wasser staute, wodurch Fußgänger den Platz kaum betreten konnten. "Wir haben den Boden komplett abgetragen und mit einem unsichtbaren Entwässerungssystem trockengelegt", so Derow. Bei der Wiederherstellung des Platzes und der Wege seien "Materialien aus der Region" verwendet worden, die sich "optisch gut in den Wald einfügen". Auch das Holz für die Treppe, über die der Denkmalplatz von Sulzbach aus zu errreichen ist, stammt aus dem Sulzbacher Wald. Ziel sei es, so Derow, "touristische Aspekte ebenso zu berücksichtigen wie die Interessen von Forst und Naturschutz".
Alexandra Raetzer, Saarbrücker Zeitung, Nr.21, 25./26. Januar 2003, B3
Der Ausbau des Naturdenkmals Brennender Berg im Rahmen des Urban II Projektes soll 2006 abgeschlossen werden. Dabei sollen zahlreiche kulturhistorisch und industriegeschichtlich bedeutsame Stätten, die sich in unmittelbarer Umgebung befinden, integriert werden. Dazu gehört zum Beispiel der unterhalb des Brennenden Berges gelegene ehemalige Gegenortschacht auf dessen Gelände sich eine der schönsten Direktorenvillen des saarländischen Bergbaus befindet. Die nahe gelegene ehemalige Grube Hirschbach soll ebenso eingebunden werden wie die im Wald gelegenen so genannten Pingefelder, den Überresten aus der Zeit, in der die Kohlenflöze noch an der Oberfläche abgebaut werden konnten. Außerdem soll ein "Fledermausweg" angelegt werden, indem ehemalige Bunker als Rückzugs- und Habitatstellen für verschiedene Fledermausarten hergerichtet und mit Fußwegen verknüpft werden. Insgesamt soll durch eine behutsame Integration von naturgeschichtlich, kulturgeschichtlich und industriegeschichtlich bedeutsamen Stätten, welche auf die Belange des Umweltschutzes und des Naturschutzes Rücksicht nimmt, die touristische Attraktivität der Region erheblich gesteigert werden.

Johann Wolfgang von Goethe und der Brennende Berg

Im Jahre 1770 weilte Johann Wolfgang von Goethe im elsässischen Straßburg. Von dort aus unternahm er verschiedene Ausflüge. In Juni 1770 besuchte er auch die reichen Steinkohlegruben und die Eisen- und Alaunwerke in Dudweiler. Bei dieser Gelegenheit besichtigte er auch den Brennenden Berg. Seine Eindrücke über dieses Naturschauspiel schildert er in seinem bedeutsamen Werk Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit , das 1811 bei Cotta erschien (Zweiter Teil, zehntes Buch).
Wir hörten von den reichen Dutweiler Steinkohlegruben, von Eisen- und Alaunwerken, ja sogar von einem brennenden Berge, und rüsteten uns, diese Wunder in der Nähe zu beschauen ... Unser Weg ging nunmehr an den Rinnen hinauf, in welchen das Alaunwasser heruntergeleitet wird, und an dem vornehmsten Stollen vorbei, den sie die 'Landgrube' nennen, woraus die beühmten Dutweiler Steinkohlen gezogen werden ... Nun gelangten wir zu offenen Gruben, in welchen die gerösteten Alaunschiefer ausgelaugt wurden, und bald darauf überraschte uns, obgleich vorbereitet, ein seltsames Begegnis. Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns; die eine Seite der Hohle war nahezu glühend, mit rötlichem, weißgebranntem Stein bedeckt; ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor, und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen. Ein so zufälliges Ereignis, denn man weiß nicht, wie diese Strecke sich entzündete, gewährt der Alaunfabrik großen Vorteil, daß die Schiefer, woraus die Oberfläche des Berges besteht, vollkommen geröstet daligen und nur kurz und gut ausgelaugt werden dürfen. Die ganze Klamme war entstanden, dass man nach und nach die kalzinierten Schiefer abgeräumt und verbraucht hatte. Wir kletterten aus dieser Tiefe hervor und waren auf dem Gipfel des Berges. Ein anmutiger Buchenwald umgab den Platz, der auf die Hohle folgte und sich ihr zu beiden Seiten verbreitete. Mehrere Bäume standen schon verdorrt, andere welkten in der Nähe von andern, die, noch ganz frisch, jene Glut nicht ahndeten, welche sich auch ihren Wurzeln bedrohend näherte. Auf dem Platze dampften verschiedene Öffnungen, andere hatten schon ausgeraucht, und so glomm dieses Feuer bereits zehen Jahre durch alte verbrochene Stollen und Schächte, mit welchem der Berg unterminiert ist.



Der Brennende Berg in Dudweiler. Nach einer Zeichnung von G. Arnold
Dieses Bild macht deutlich, dass der Brennende Berg tatsächlich mal mächtig gequalmt hat. Zeichnung von G. Arnould.
(Dudweiler Geschichtswerksatt, Band 5, Seite 17.)

Der Brennende Berg in Dudweiler zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Auf diesem Foto (Quelle: Ruppersberg, 1923, S. 36) kann man noch drei Bergspalten erkennen, aus denen Rauch aufsteigt. Die deutlich zu erkennende Goethe-Gedenktafel wurde im Jahre 1908 vom Verschönerungsverein Dudweiler angebracht. Heute findet sich dort eine neuere Tafel aus dem Jahre 1980.

Brennender Berg in Dudweiler. Altee Goethe-Gedenktafel aus dem Jahre 1908.
Links die alte Goethe-Gedenktafel aus dem Jahre 1908 (aus Ruppersberg, S.37).
Rechts die im Jahre 1980 wiederrichtete Gedenktafel (Aufnahme Juni 2002).
Brennender Berg in Dudweiler. Neue Goethe-Gedenktafel aus dem Jahre 1980.

Brennender Berg in Dudweiler. März 2003.
Heute ist der Rauch nur an wenigen Stellen zu erkennen, und auch das nur schwer. Am besten wird er im Gegenlicht sichtbar (Anfang März 2003).

Erläuterungen
Zur Entstehung des Bergbrandes:
1668 sollen nach einer sagenhaft anmutenden Überlieferung durch das Übergreifen eines Hirtenfeuers auf die den Berg durchziehenden Kohlenflöze Schwelbrände entstanden sein. Wahrscheinlicher aber ist eine Selbstentzündung durch Druck und Zersetzung umfangreicher Haldenbestände, die infolge der damaligen "wilden Kohlengräberei" sich anhäuften. Durch die Ausdehnung des Haldenbrandes auf das dort zutage tretende Hauptflöz der Landgrube (Flöz Blücher) zog sich der unterirdische Brand von der Dudweiler Seite während eines Zeitraums von mehr als hundert Jahren über den Berg in Richtung Neuweiler. Anfängliche Löschversuche mit Wasser hatten einen gegenteiligen Erfolg, und nachdem die Alaungewinnung begonnen hatte, war man sogar auf Erhaltung und Lenkung des unterirdischen Feuers bedacht. Aber auch diese Unternehmungen waren erfolglos. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts waren Glut und Rauchentwicklung so stark, daß der Name brennender Berg seine Berechtigung hatte, aber bereits 1777 wird in einem zeitgenössischen Bericht von einem Abflauen des Brands berichtet; eine offene Flamme war übrigens nie zu sehen, wohl aber durch Spalten und Runsen die Glut des schwelenden Flözes. Durch den Brand wurden die hangenden Tonschiefer mit ihren kohligen Bestandteilen einem Röstungsprozeß unterworfen, der die Grundlage für die Alaungewinnung bildete.
Quelle: Schuto, M. (1977). Neue Wirtschaftszweige - Alaunhütten, Kokserzeugung, Sudhaus. In: Dudweiler 977 - 1977. Hrsg.: Landeshauptstadt Saarbrücken Stadtbezirk Dudweiler. Saarbrücker Zeitung Verlag, Saarbrücken, 1977, S.228.

Alaun: Aus dem Lateinischen alumen. Doppelsulfat, ursprünglich nur für Kalialaun gebraucht. Salz, das schon den alten Ägyptern bekannt war. Findet Verwendung als blutstillendes Mittel (Alaunstift), in der Gärberei und Färberei als Beizmittel, in der Papierfabrikation als Leimmittel (nach dtv-Brockhaus-Lexikon).

In Dudweiler bestanden 1728 zwei Alaunwerke, die jährlich über 600 Zentner Alaun lieferten, das zu Herstellung von Farben und Salmiak genutzt wurde. 1765 ließ Fürst Wilhelm Heinrich für 21.000 Gulden ein neues Alaunwerk errichten.
Quelle: Dudweiler 977-1977. Hrsg.: Landeshauptstadt Saarbrücken Stadtbezirk Dudweiler. Saarbrücker Zeitung Verlag, Saarbrücken, 1977, S.486.



Quellen

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